Spaziergang mit dem Licht
Ausstellung: 31.08. - 28.10.24
Fotografie: Amelie Koerbs
Malerei: Susanne Kurschat-Körbs
kuratiert von Amelie Koerbs
Text "Spätsommerromantik" von Amelie Koerbs (Original Deutsch)
gefördert von der Kulturstiftung Kreis Schleswig-Flensburg
Fotografie und Malerei aus Wohlde
Spätsommerromantik
Ich gehe weit. Allein, mit meiner Kamera um die Schulter und meinen vielen Gedanken im Kopf. Es sind die gleichen Wege, die ich gehe, doch es ist die Gleichheit, nach der ich mich immer wieder sehne. Denn nur dann legen sich die Wellen meines Gedankenmeeres und es wird ruhig da oben in meinem Kopf.
Mein Blick wandert über die Stoppeln des Maisfeldes, den Bäumen auf dem Knick, Feldwechseln und den Bauten der Füchse. Meine Augen blicken tief in die von Galloweys, Schwarz-Bunten, und blauen Belgier; sie richten sich auf die weit entfernte Linie des Horizonts und beobachten in der Ferne Hasen und Rehe auf den grünen Wiesen liegen.
Der Wald liegt vor mir, ich gehe auf verwachsenden Pfaden, während meine Finger über die glatte, graue Rinde der alten langen Buchen streifen. Ich atme tief ein, rieche den Waldgeruch, die feuchte Erde unter meinen Füßen, junge Triebe sprießen und den Hauch der Gülle auf den umliegenden Feldern.
Alles zusammen nenne ich diesen Geruch den Frühlingsduft, den diesen Duft gibt, es nirgendwo anders als hier in diesem kleinen Ort, in Wohlde. Ich verweile, lausche den raschelnden Blättern, den Vögeln, höre das Muhen in der Ferne und am anderen Ende den Trecker tief durch das Feld pflügen.
Ich gehe weiter. Selten treffe ich auf jemanden anderen und wenn, dann verlangsamen unsere Schritte nicht, aber es wird sich leicht zugenickt. Ein „Moin“ verlässt unsere Lippen, die Lautstärke und die Länge schließt darauf, wie gut wir uns kennen. Ist es ein „Hallo“ dann ist sicher, wir sind beide zugezogen, kennen uns nicht oder wir sind zu lang in der Stadt und zu lang nicht hier gewesen.
Ich setze mich auf die versteckte, schlichte Bank hinter dem Baum, meine Beine und Füße machen für einen Moment Pause. Ich blicke den kleinen Pfad hinunter, der sich zwischen Gestrüpp, und kleinen zarten Bäumen tief weiter in dem Wald hinein schlängelt. Ich frage mich, wer hier sonst so sitzt und sich genauso Gedanken macht wie ich?
Ich setze meinen Weg fort, überquere die Straße und folge den langen Platten zwischen grünen, feuchten Wiesen und langen hohen Bäumen.
Die Treene ist noch lang nicht in Sicht, nur der Deich und die Silhouetten der liegenden Schafe im warmen Licht der untergehenden Sonnenstrahlen. Im Hintergrund muht es leiser, der Trecker ist ein beruhigendes Brummen. Der Himmel färbt sich langsam orange, lila, rot. Und auch wenn schon tausend Mal gesehen, ist dieses Licht besonders und es überkommt mich das Staunen. Es ist doch ganz schön hier oben, in dem Norden zwischen Feldern, auf den Deichen irgendwo im Nirgendwo. Es ist die Schlichtheit der Landschaft getaucht in dieser Spätsommerromantik, die mich alles vergessen lässt und mich hier, in diesem jetzt, hin und weg schmelzen lässt.
Im goldenen Licht gelange ich zur Badestelle. Es liegen Fahrräder im hohen Gras, Hunde spielen, ein Kajak fährt, und das kühle Wasser hinterlässt einen braunen Film auf der Haut der Badenden.
Der Abend ist bald da und im halbdunklen kehre ich nach Hause zurück. Es wird leise draußen, und nach außen scheint das warme Licht von Wohlde´s Innenräumen. Beim Abendbrottisch wird nun berichtet, wem zugenickt und welche Worte gewechselt wurden. Wie viele Rieken und Böcke erblickt und wo der Rasen neu gemäht oder die Hecke geschnitten ist.
Um 20:00 läuft die Tagesschau, danach der Tatort. Der Mond steigt auf und nur die Lichter der Trecker werfen langen Strahlen auf die ruhigen Straßen. Ihr Brummen ist wie das Summen eines bekannten Schlafliedes, welches uns alle in die Nacht begleitet bis in die Morgenstunden.
Installation
Atelier Susanne Kurschat-Körbs, Birkenallee 44, Wohlde